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Die Reise der 1000 Eindrücke
Angefangen hat die ganze Geschichte durch die Idee von Jörn: “Lass uns mal was gutes tun”. Die Frage war jedoch: Wie? Eine Aktion für den guten Zweck durchführen ist ja o.k., jedoch für welchen guten Zweck?
Auf jeden Fall etwas, wo wir auf jeden Fall hinter stehen! Im Laufe des Gespräch fiel uns die Mutter eines Freundes ein. Sie sammelt seit ein paar Jahren akribisch Geld und andere Spenden für ein Kloster in Rumänien. Dieses Kloster nimmt Straßenkinder auf, denen das Glück im Leben bisher nicht gegönnt war. Straßenkinder in Rumänien? Klar, das Land ist sicherlich arm, aber so arm, dass es hier viele Straßenkinder gibt? Kaum vorstellbar. Schließlich sind die auf dem Weg in die EU!
Nachdem Veronika uns das Projekt vorgestellt hatte, war es klar: Dafür werden wir uns engagieren. Hier gibt es Menschen, die mit viel Energie anderen Menschen helfen. Dazu gibt es keinen Verwaltungsapparat, der die Hälfte der Spenden auffrisst! Nach dem wir unsere Freunde überzeugt hatten, dieses Jahr nicht nach St.Petersburg (wie eigentlich geplant) zu fahren, sondern dass wir die Tour nach Deva bevorzugen sollten, fingen die echten Planungen an. Die Spenden sollten natürlich nicht von uns alleine, sondern auch von vielen Freiwilligen kommen. Unter uns Bikern besteht eh ein starker Zusammenhalt. Also wurde der Slogan “Spenden mit dem Gasgriff für Kinder in Rumänien” geboren. Die Idee: Das Band mit dem Slogan kostet 15 Euro und jeder gefahrene zwischen Februar und ende März Km kostet 3 €-Cent den Km. Jörn und ich packen it unserer Firma die selbe Summe, die aus den Km stammt, noch mal oben drauf und fertig ist die Spendensumme.
Jetzt jedoch zur Reise:
Startpunkt war der Bahnhof Altona. 13 aufgeregte Motorradfahrer schnattern durch einander wie aufgeregte 10-Jährige auf Klassenfahrt. Dann das erste Highlight: Jörn und Stephan seine Frauen kommen mit 2 Kisten Bier und mindestens 500 Frikadellen nebst Kartoffelsalat um die Ecke gefahren. Die Blicke der 20-25 anderen wartenden Biker entgleisten schier. Selten habe ich so neidische Blicke gesehen. Wir haben uns kringelig gelacht. Nach dem Verladen derBikes war diese Geschichte zwar schon längst wieder vergessen, jedoch hatten wir immer noch eine Menge zu lachen. Hatten wir uns doch seit dem Herbst alle nicht mehr gesehen! Jeder packte sein Biker-Latein aus und Kapitän Blau-Bär sah blass aus gegen uns!
In Wien angekommen hieß es nur ab und runter vom Zug. Die Bikes mussten dringend bewegt werden. Der Helm saß naturgemäß besonders eng. Egal. Wir mussten ja nicht so weit fahren. Kaum waren wir über die Grenze gedüst, fing es an zu schütten. Ich fühle mich gar nicht wohl auf meiner 1000er. Regen. Na klasse. Kalt war es auch noch. Außerdem drehte diese blöde 1000er nur durch, die Strassen waren in einem sehr schlechten Zustand und es standen nur Laster im Weg rum. Spaß hatte ich keinen. Dann setzte Rüdi, unser Top-Organisations-Vorwegfahrer, den rettenden Blinker nach rechts. Essenspause. Ich dachte eigentlich nur: Hervorragend, dass du den größten Teil schon geschafft hast. Zum Glück ist es ja nicht mehr so weit. Es hieß ja, kurz hinter Budapest ist unser Ziel! Genau das war mein Irrtum: Wir hatten noch 500 Km vor uns und es war bereits 14 Uhr! Nächstes Mal höre ich richtig zu. Ganz bestimmt!
Schön. Pause. Dann aber rauf auf die Bikes: Strecke machen! Fahren von Tanke zu Tankstelle, Tanken, Gas geben und immer fleißig Laster überholen. Kurz vor Ende, so die Aussage von Rüdi, soll es noch eine schöne Strasse geben. Wir sollten unsere Kraft einteilen. Gesagt getan.
Dann war er da endlich: Der Grenzübergang nach Rumänien. Hier kann die Polizei noch Begeisterung zeigen. Sie animierten uns, ordentlich zu rasen. Wir hatten nur noch 200 Km vor uns. Ein Lacher… Im dunkeln, im Regen, die Kurven fingen an und es gab immer noch viel zu viele Laster auf der Strasse. Ach ja: Es war immer noch rutschig, aber die 1000er und ich verstanden uns langsam besser. Langsam! Es ist wohl doch etwas dran, dass sich der Fahrstil ändert, wenn man Familie hat. Geglaubt hätte ich das nie! Im dunkeln auf einer wunderschönen kurvigen Landstrasse haben wir dann alles gesehen, was an Unwägbarkeiten auf der Strasse unterwegs sein kann und noch viel mehr. Autos komplett ohne Licht, Schweinelaster mitten in der Kurve, auch ohne Licht, Pferdewagen 3m hoch mit Heu beladen, natürlich auch ohne Licht und, fast hätte ich es vergessen, ganz viele Laster, aber meistens mit Licht! Das kurvige Landstrassenstück war jedoch eins der schönsten auf der gesamten Tour!
Ankunft in Devar
Eine höllisch aufgeregte Veronika empfing uns. Ja, wir waren ein paar Stunden hinter der Zeit, aber dass sei doch kein Grund zur Sorge gewesen, oder? Schade war nur, dass 150 aufgeregte Heimkinder 3-4 Stunden auf die Biker aus Deutschland gewartet haben. Mit Blumenkranz zum durchfahren und einstudierten Liedern. Aber um 22.30 Uhr war das natürlich kein Thema mehr. Die Kinder schliefen längst tief und fest.
Nach dem Absatteln und parken der Motorräder kam der große Hunger. Kleines Problem war nur, dass es nichts mehr zu essen gab. Nach einen 30 Minuten Marsch durch Deva haben wir dann die erstbeste Tanke um ein paar Dosen Bier erleichtert und uns dann mit dem Taxi zum Mc. Donalds fahren lassen. 24-Stunden-Service hieß es. Dummerweise nur über den Mac-Drive. Nachdenken brauchten wir nicht. Sekunden später standen 15 hungrige Menschen auf der Autospur. Das Essen war ein Festmahl!
Übernachtet wurde dann im Heim. Wir hatten ein großes Gemeinschaftszimmer mit 13 Betten, darunter sogar 3 Stockbetten. Es war eine Stimmung wie auf einem Schulausflug. So weit ich es noch weiß, habe ich, während ich auf mein Bett gefallen bin, schon tief und fest geschlafen.
Während des Frühstücks (Ziegenkäse, leckerer fettiger Mettwurst, einem höfisch süßem Tee und sogar Kaffee) haben wir den Pater kennen gelernt. Er hat ein wenig vom Heim und Auszüge der Geschichte des Heims erzählt. Jedes Kind, dass zu ihm kommt, wächst in familienähnlichen Verhältnissen bei einer Ziehmutter mit 6-8 anderen Kindern auf. Dabei kommen sogar selten Waisen zu ihm. Viel mehr sind es Kinder, die von Ihren Eltern “abgegeben” werden, da diese es nicht mehr schaffen, Ihre Kinder zu ernähren! Diese Eltern sehen somit die einzige Chance, Ihre Kinder überleben zu lassen. Und das, obwohl der familiähre Zusammenhalt in dieser Region weit über dem westeuropäischer Familien liegt!
Nach seine überaus interessanten Erläuterungen haben wir dann die Chance genutzt, die Spende zu übergeben. Immerhin haben wir 2000,- Euro zusammen bekommen. Es ist zwar nicht die Welt, jedoch auch kein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein. Kann der Pater und sein Team doch für 1,- Euro ein Kind am Tag ernähren. Und wir hatten ein wenig dabei geholfen.
Da der Pater uns natürlich nicht nur die heile Welt seines Kinderheims zeigen wollte, gab es eine Besichtigungstour mit dem Bus. Gerade einmal 5 Minuten außerhalb Deva`s gibt es ein ehemaliges Stahlwerk mit einem ehemaligem Tagebau. Die komplette Gegend ist verseucht durch den Tagebau und die Stahlproduktion. Die Fabriken sind riesige alte Monster. Hier könnte man einen astreinen und authentischen Weltuntergangsfilm drehen. O.K., aber wo bestand der Zusammenhang zwischen den Kindern und diesen Monstern? Das durften wir jetzt sehen: Der Pater bog mit seinem Bus auf einen Feldweg ab und lud uns nach weiteren 500 m aus seinem Auto aus. Sofort kam eine kleine Menschengruppe auf uns zu. Es war ein merkwürdiges Gefühl. Ich kam mir vor, als müssten wir diese Leute jetzt “besichtigen” (was ja auch so war). Sie waren unter den vielen Armen Menschen, die dieses Land wohl hat, die Allerärmsten. Gehaust wurde in einer Papphütte, die vom Müll und Lehm zusammengehalten wurde. Wir haben dann von dem einem Familienvater mit 4 Kindern die Erlaubnis bekommen, in sein “Haus” zu sehen. Das war natürlich hart und lässt sich nicht beschreiben. Wir waren uns nur einig, dass keiner unserer Hunde so hausen muss. Die Familien leben dort um Stahl aus den alten Fabriken und Hochöfen zu holen. Diesen verkaufen sie zu Mimimalpreisen an Zigeuner.
Klar, die Bilder kennt man aus dem Fernsehen, aus Südafrika oder von anderen Brennpunkten der Welt. Das Schockierende daran ist jedoch, das wir uns gerade einmal 1500 Km weit von Deutschland befinden und das Rumänien kurz davor ist, der EU beizutreten.
Aus diesen Gebieten kommen somit die Kinder, die der Pater aufnimmt. Immerhin 700 von Ihnen leben in seinen “familiären” Verhältnissen, weitere 700 werden täglich von Ihren Familien in die Schule gebracht. Alle erhalten Bildung und somit die Chance, aus der Ausweglosigkeit die Ihre Eltern haben, auszubrechen.
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